José Martín Simón


José De MARTÍN SIMÓN (geb. 1940)

José Martín Simón

Martín Simón ist einer von diesen wahren und seltenen Schöpfern, die uns die Welt der zeitgenössischen Kunst zu beobachten erlaubt. Er hält sich nicht an die typischen Regeln der sich in ihrer Arbeit ständig wiederholenden Pseudokünstler. Ihn beschäftigt das Authentische, wodurch er die Grenzen des Alltäglichen überwindet. So dürfen wir teilnehmen an dem Genuss der Unwirklichkeit.

Bei Martín Simón erfährt das Alltägliche durch seine transzendente Wahrnehmung eine bedeutsame Veränderung und gelangt so auf den ehrwürdigen Altar der Erkenntnis.

Das Werk von Martín Simón erstreckt sich über mannigfaltige ästhetische Formen. Seine Erkenntnisse entstehen auf dem Weg des Experiments.

Auf der beklemmenden Suche nach seiner tiefsten Persönlichkeit, begleitet durch eine erdrückende Erregung, experimentiert er mit verschiedenen Materialien und Stoffen. Diese Suche ist von solch zwingender Notwendigkeit, dass man zu Fug und Recht Martín Simón als einen “verdammten Künstler” bezeichnen kann (wenn verdammt diejenigen sind, deren Genialität sie zur Aufgabe der eigenen täglichen Bedürfnisse zwingt).

Das Werk von Martín Simón läuft nicht Gefahr, im Laufe der Zeit durch die gewöhnlich benutzten Formeln und Technizismen vergiftet zu werden, sondern im Gegenteil, sein Werk wird dazu beitragen, diesen unbarmherzigen Konflikt zu vermeiden, indem es den metaphysischen Wert von Aktion und neuer Erkenntnis betont, welches den Kern des Schöpfungsakts darstellt.

Das wichtigste Wesensmerkmal des Lebenswerkes vom Martín Simón ist der gemeinsame Nenner aller seiner Werke und die unterschiedlichen Ausdrucksformen, mit denen dieser Künstler die Kunstwelt bereichert hat, haben es geschafft, sich abzubilden, ohne dass die persönliche Struktur des Künstlers und seine unabhängige Vision der Kunst verloren ging.

Bereits die Analyse seiner baskischen Epoche der 50er Jahre belegt den schöpferischen Fundus im Geist dieses Künstlers, seine außerordentliche Genialität, die jenseits des Gewöhnlichen angesiedelt ist.

Ende der 50er Jahre beschließt er nach Rom zu reisen, mit der Absicht, Malerei und Skulptur zu studieren. Er lernt Berni, Tamburini und Plagiaccio kennen und arbeitet in ihren Ateliers, wo er lernt, wie die Italiener der Epoche zu malen. Er stellt in Neapel, Padua, Florenz und Mailand aus. Er lernt 1960 Giorgio de Chirico kennen, und dieser führt ihn in die Lehren des Surrealismus ein.

Aus dieser italienischen Periode und seiner baskischen Lehrzeit stammen Werke, in denen seine geniale Intuition so offensichtlich wird, daß sich jegliche Polemik verbietet. In den Werken dieser Zeit ist der Mimetismus mit den Schulen der Vergangenheit mehr bewußt als intuitiv. Hier wird die Vergangenheit zur aktiven Lehrerin, die Martín Simón die magischen Formeln der Farbe und Materialien lehrt. Diese Werke sind Ausdruck des Kampfes zwischen dem, was gewesen ist, und dem, was sein wird. Das, was ist, hat nur die Bestimmung eines Transportvehikels für die persönlichen Visionen und die endgültige Bildersprache, welche später bewirken werden, dass sich das Werk von Martin Simon so radikal unterscheidet und so weit entfernt ist von dem der anderen Künstler seiner Generation.

Im Zusammenfließen von Tagen und Stunden wird sich der Keim einer grundlegenden Entscheidung bilden, ausgehend von den Visionen, die ihn vor vielen Jahren mit der unverfälschten Kraft, mit dem er sie bekam, fast ertränkt hatten: Seine Entdeckung und Berührung der traditionellen “Surrealisten” und der “metaphysischen” Maler.

Er siedelt 1966 nach Paris über (Pont de Saint-Denis) wo er ein Atelier eröffnet und stellt in der Galerie Vanguard aus. Er verwendet die Lehren des Italieners de Chirico und beginnt damit seinen Weg zum Surrealismus zu suchen.

In dieser Zeit wird er sich freiwillig ins Exil der mystischen Bretagne begeben, um dort nach dem ergreifenden Geist von Paul Gauguin zu suchen und sich an ihm zu nähren. In dieser Periode entsteht die Garantie dafür, dass sein zukünftiges Werk durch authentische Werte der Erkenntnis und Kreativität gekennzeichnet sein wird. Die Zeichnungen und Ölgemälde, die unter dem Zeichen des bretonischen Himmels entstehen, zeichnen sich durch eine große innere Kraft aus. Sie wird projiziert nach außen durch die dargestellten Personen, die Gefährten der vitalen Abenteuer ihres Schöpfers sein könnten. Die übrigen Lebewesen werden am Rande dieser Darstellung überleben müssen.

Nach einer kurzen Unterbrechung kehrt er 1972 wieder nach Paris zurück, wo er weitere zwei Jahre intensiv arbeitet.

Martin Simón arbeitet, gleichsam außerhalb von Raum und Zeit, wie die Freimaurer des 12. Jhrs., seine eigenen Kathedralen bauend.

Eingetaucht in diese Zeitlosigkeit gelangt er zur Wiederentdeckung des glorreichen Abbilds des Surrealismus, und trotzdem ist er in jedem Augenblick wachsam und ständig bereit, keine sich bietende Gelegenheit zu verpassen, auf der Leinwand seine eigenen latente Wirklichkeit einzufangen, die er andererseits ständig durch alle Ausdrucksformen seiner Arbeit anfleht.

Im Jahre 1979 wird er vom „Instituto Cubano de Cultura Hispánica“ in Mendoza (Argentinien) dazu eingeladen, einen Zyklus von Vorträgen und Ausstellungen in verschiedenen südamerikanischen Ländern durchzuführen.

1981 und 1982 lebt er in Mexico und stellt während dieser Zeit im „Instituto Hispano-Mexicano“ aus.

Der Aufenthalt in dem Land der Götter in den Jahre 1981 und 1982 vermittelt ihm die Vergangenheit der Azteken, der verborgenen Ahnenvergangenheit, die in den Winden dieses Landes schwebt. Der Aufenthalt dort und der Kontakt von Martín Simón mit den sakralen Stätten und ihren Symbolen erzeugt das Unvermeidliche. Martín Simón wird besetzt und durchdrungen von dem altertümlichen Zauber, während er am Ritual von Teotihuacan teilnimmt. In diesen Jahren wirkt das von diesem Künstler geschaffene Werk- als Ganzes betrachtet (ohne die Einzigartigkeit desselbigen in Frage stellen zu wollen)- verändert. Nicht in der Form oder in der Aussage, mehr in der Art der besonderen Beziehung zum “Bezugsrahmen”, in dem seine Arbeit entsteht.

Auf Einladung der Universität von Philadelphia reist er 1993 nach Philadelphia, Washington und New York, um Vorträge zu halten und Ausstellungen durchzuführen.

1997 stellt er in Deutschland am Bodensee Festival zusammen mit Antoní Tàpies aus, wo sie die spanischen plastischen Künste vertreten.

Von 2007 bis 2014 lebt und arbeitet Martín Simón in Santo Domingo (Dominikanische Republik). Dort stellt er in April 2014 im „Museo de Arte Moderno“ seine dort entstandenen Werke unter dem Titel „Irreale Welten“ aus.

Die Ausstellung wurde von Kunstkritikern als eine der brillantesten im letzten halben Jahrhunderts in Lateinamerika beschrieben in Bezug auf Schönheit und Geschick, mit dem dieser große baskische und nomadische Künstler seine dialektische und interterrenale Reise, seine überseeischen Kulturübergänge, zum Ausdruck bringt.

Die letzten Kreationen verwandeln seine “surrealistischen” Unruhen in ein besser lesbares Universum durch die Vereinigung seines eigenen Lebens- und Alltagsmagmas mit seiner speziellen Art der Übersetzung, weniger esoterische Symbole, die mit einer unmittelbarere Wirklichkeit korrespondieren, aber immer ohne den “Irrealismus” (als Form des Ausdrucks) aus den Augen zu verlieren sowie die in diesem Fall in der formellen Geschichte eingeschlossenen Symbole. Aber in letzter Instanz gehören sie zur Welt und der Sphäre der Magie. Wie bei allem im Werk von Martín Simón wird die lange vergessene und nahezu verbotene (res vitanda) Materie uns den Schlüssel geben für die Übersetzung seiner verborgenen Mitteilung. Außer seiner machtvollen und gewaltigen bildhaften Darstellung wird uns das Zusammentreffen der Feuergeister deutlich. Nur so, indem er diese Energie durch Gesten ausdrückt, kann er sich selbst befreien und damit der Verfolgung durch seine Geister entrinnen.

Seit dem Sommer 2015 lebt José de Martín Simón in Remscheid Lennep

 

Radierung aus dem Jakobsweg Zyklus 2015

 http://www.martin-simon.es/

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